Krautrock-Raritäten: So erkennst du gesuchte Originalpressungen
Share
Kurz gesagt: Krautrock-Raritäten sind vor allem Originalpressungen aus den Jahren um 1969 bis 1975 – erschienen auf Labels wie Ohr, Pilz, Brain, Liberty/United Artists oder Polydor und oft nur in kleinen Auflagen gepresst. Erkennen kannst du sie am Label-Design, an der Katalognummer, an aufwendigen Original-Covern und an der Matrixnummer in der Auslaufrille. Weil viele Alben später mehrfach – teils auch inoffiziell – nachgepresst wurden, lohnt sich ein genauer Blick.
Was ist Krautrock?
Krautrock ist der Sammelbegriff für die experimentelle Rockmusik, die Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre in Deutschland entstand. Bands wie Can, Neu!, Faust, Amon Düül II, Popol Vuh, Ash Ra Tempel, Tangerine Dream oder Cluster lösten sich bewusst vom angloamerikanischen Rock: lange, hypnotische Stücke, elektronische Klänge und viel Improvisation. Der Begriff kam ursprünglich aus der britischen Musikpresse – heute steht er weltweit für eine der einflussreichsten Musikrichtungen überhaupt. Entsprechend groß ist die Nachfrage nach den Originalplatten.
Die wichtigsten Labels – und woran du Originale erkennst
- Ohr: 1970 in Berlin von Rolf-Ulrich Kaiser und Peter Meisel gegründet. Hier erschienen frühe Alben von Tangerine Dream, Ash Ra Tempel, Klaus Schulze, Guru Guru und Embryo. Ohr-Originale zählen zu den gesuchtesten Krautrock-Platten überhaupt.
- Pilz und Die Kosmischen Kuriere: Weitere Labels aus dem Umfeld von Rolf-Ulrich Kaiser, unter anderem mit Popol Vuh (Hosianna Mantra) und Witthüser & Westrupp. Die Auflagen waren klein, gut erhaltene Exemplare entsprechend selten.
- Brain: 1972 bei Metronome gestartet, mit Neu!, Cluster, Guru Guru und Grobschnitt. Frühe Brain-Pressungen erkennst du am grünen Etikett, spätere Auflagen haben ein orangefarbenes.
- Liberty / United Artists: Hier erschienen Can, Amon Düül II und Popol Vuh (Affenstunde, 1970). Achte auf die Original-Label-Varianten und die Erstausgaben der aufklappbaren Gatefold-Cover.
- Philips und Polydor: Die ersten beiden Kraftwerk-Alben (Philips) wurden von der Band nie offiziell neu aufgelegt – deutsche Originale sind entsprechend begehrt. Das Faust-Debüt (Polydor, 1971) erschien auf klarem Vinyl in einer transparenten Hülle mit aufgedruckter Röntgen-Faust.

Krautrock aus unserem Sortiment: Popol Vuh – Affenstunde, Ash Ra Tempel – Rosi, Can – Ege Bamyasi, Amon Düül II – Carnival In Babylon
Original oder Nachpressung? So prüfst du es
- Label prüfen: Farbe, Logo und Schriftbild mit der Erstausgabe vergleichen – Discogs zeigt Fotos der einzelnen Pressungen.
- Matrixnummer lesen: Die eingeritzten Nummern in der Auslaufrille verraten die genaue Pressung.
- Cover genau ansehen: Viele Originale haben aufwendige Gatefold-Cover, Beilagen oder Strukturpapier. Nachpressungen sind oft einfacher gemacht oder haben einen Barcode.
- Vorsicht bei inoffiziellen Ausgaben: Gerade bei gesuchten Krautrock-Titeln sind später auch Nachpressungen ohne Lizenz erschienen. Bei auffällig günstigen „Originalen“ lohnt sich ein zweiter Blick.
- Zustand bewerten: Wie bei allen Raritäten entscheidet der Zustand über den Wert. Wir bewerten nach dem Goldmine-Standard.
Auch Auslandspressungen sind gefragt
Nicht nur deutsche Originale sind interessant: Viele Krautrock-Alben erschienen zeitgleich in Frankreich, Großbritannien oder Italien – oft mit eigenem Cover oder Label. Gerade französische Pressungen von Can oder Amon Düül II sind bei Sammlern gefragt.
Aus der Praxis
Meine beiden Lieblings-Krautrock-LPs sind Niagara – „Niagara“ (1971) und Can – „Ege Bamyasi“ (1972). Auf beiden Alben sind die Drums einfach mörderisch – bei Niagara rund um Schlagzeuger Klaus Weiss, bei Can mit den hypnotischen Grooves von Jaki Liebezeit. Wer Niagara mag, sollte auch in Niagara – „Afire“ (1973) reinhören.

Dirks Lieblinge: Niagara – Niagara (1971) und Can – Ege Bamyasi (1972)
Häufige Fragen
Welche Krautrock-Platten sind besonders wertvoll?
Vor allem deutsche Originalpressungen der frühen 70er auf Labels wie Ohr, Pilz oder Brain (grünes Label) in gutem Zustand – sowie Platten, die nie offiziell neu aufgelegt wurden, wie die ersten Kraftwerk-Alben.
Woran erkenne ich eine Brain-Erstpressung?
Frühe Brain-Pressungen haben ein grünes Etikett, spätere Auflagen ein orangefarbenes. Zusätzlich helfen Katalognummer und Matrixnummer.
Sind Krautrock-Nachpressungen wertlos?
Nein. Gute offizielle Reissues klingen oft hervorragend und sind deutlich günstiger – ideal zum Hören. Sammler suchen aber meist die Originalpressung.
Kauft ihr Krautrock-Platten an?
Ja, sehr gern – von einzelnen Raritäten bis zu ganzen Sammlungen. Mehr dazu auf unserer Seite Schallplatten-Ankauf.
Stöbere in unserer Krautrock-Auswahl und in unseren seltenen Vinyl-Schallplatten. Mehr Grundlagen findest du im Ratgeber Wertvolle Schallplatten erkennen.
