Techno-, House- und Electro-Schallplatten bei Devinylhunter-Records: Maxis von Underground Resistance, A Guy Called Gerald, Laurent Garnier, Speedy J, B12, Wassermann, Kraftwerk und Aphex Twin

Techno & House auf Vinyl: 10 Klassiker von Chicago bis Detroit

Die wichtigsten Techno- und House-Klassiker auf Vinyl sind für uns: Phuture „Acid Tracks“, Inner City „Good Life“, A Guy Called Gerald „Voodoo Ray“, Underground Resistance „Your Time Is Up“, Age Of Love „The Age Of Love“, Speedy J „Ginger“, Basic Channel „Lyot Rmx“, Daft Punk „Homework“, Moodymann „Amerika“ und Jeff Mills „The Bells“. Sie entstanden zwischen 1987 und 1997, in dem Jahrzehnt, in dem House in Chicago und Techno in Detroit erfunden wurden und von dort über Manchester, Rotterdam, Berlin und Paris um die Welt gingen. Fast alle erschienen zuerst als 12-Inch-Maxi für DJs, und genau dort klingen sie bis heute am besten.

In diesem Artikel

Chicago House und Detroit Techno: Wie hat alles angefangen?

House entstand Anfang der 80er in Chicago. DJs wie Frankie Knuckles im Club The Warehouse, nach dem die Musik ihren Namen bekam, und Ron Hardy in der Music Box spielten Disco, Soul und europäische Synthesizer-Musik und verlängerten die Stücke mit Drumcomputern. Bald produzierten junge Musiker eigene Tracks mit der Roland TR-808 und TR-909, Labels wie Trax Records und DJ International pressten sie auf Vinyl.

Fast gleichzeitig erfanden drei Schulfreunde aus Belleville bei Detroit den Techno: Juan Atkins, Derrick May und Kevin Saunderson. Sie hörten Kraftwerk ebenso wie Funk und machten daraus eine kühle, futuristische Musik über die Stadt der Autofabriken. Atkins hatte schon Anfang der 80er mit Cybotron den Detroit Electro geprägt, als Model 500 legte er danach die Grundlagen des Techno.

Ab 1988 sprang der Funke nach Europa über: In Großbritannien wurde Acid House zur Jugendbewegung, und nach dem Mauerfall wurde Berlin mit Clubs wie dem Tresor zur zweiten Heimat des Detroit Techno. Bis heute ist diese Verbindung zwischen Detroit und Berlin eng.

Welche Techno- und House-Platten sollte man kennen? Unsere Top 10

1. Phuture: Acid Tracks (1987)

Der Track, der einem ganzen Genre den Namen gab. DJ Pierre, Earl „Spanky“ Smith und Herb J drehten an den Reglern einer Roland TB-303, eines eigentlich als Bassbegleitung gedachten Geräts, und entlockten ihr dieses quietschende, blubbernde Geräusch, das seitdem „Acid“ heißt. Ron Hardy spielte das Stück in der Music Box immer wieder, bis das Publikum es liebte. Ohne „Acid Tracks“ gäbe es weder Acid House noch große Teile des späteren Techno.

Für wen: alle, die verstehen wollen, woher der typische Acid-Sound kommt.

Phuture Acid Trax Vinyl 12 Zoll
BE · 1988
Phuture - Acid Trax

Der Urknall des Acid House als belgische Ausgabe von 1988.

59,99 € Zur Platte →

2. Inner City: Good Life (1988)

Kevin Saunderson, einer der drei Techno-Gründer aus Belleville, holte sich die Sängerin Paris Grey ins Studio und zeigte, dass Detroit auch Hits kann. „Good Life“ verbindet einen treibenden Beat mit Soul-Gesang und großen Synthesizer-Flächen und wurde in Großbritannien ein Top-10-Hit. Bis heute läuft der Song auf jeder House-Party.

Für wen: alle, die House mit Gesang und Gefühl mögen. Bei uns als europäische 12-Inch von 1988. Kenny Larkin hat den Song später neu bearbeitet: „Smile / Life“ auf KMS.

3. A Guy Called Gerald: Voodoo Ray (1988)

Gerald Simpson aus Manchester baute mit wenig Geld und viel Fantasie einen der ersten britischen Acid-House-Klassiker. „Voodoo Ray“ mit seinem verfremdeten Gesangsfetzen wurde zur Hymne des „Second Summer Of Love“ und lief in der Haçienda rauf und runter. Kurz davor hatte Simpson noch bei 808 State mitgearbeitet.

Für wen: alle, die Acid House von der britischen Seite kennenlernen wollen. Bei uns als „The Peel Sessions“, aufgenommen im Oktober 1988 für die Radiosendung von John Peel.

4. Underground Resistance: Your Time Is Up (1990)

Mit dieser Platte begann eines der wichtigsten Kollektive der Techno-Geschichte. Mike „Mad Mike“ Banks und Jeff Mills gründeten Underground Resistance als Antwort auf die Musikindustrie: unabhängig, politisch und ohne Gesichter auf den Covern. Die erste Veröffentlichung UR001 verbindet große Synthesizer-Akkorde mit der Stimme von Yolanda Reynolds und steht genau zwischen Detroit House und Techno.

Für wen: Sammler, die ein echtes Stück Detroit besitzen wollen. Aus dem UR-Umfeld haben wir auch The Martian „Meet The Red Planet“ und „Aztlan“ von Mad Mike und DJ Rolando.

Underground Resistance Your Time Is Up Vinyl 12 Zoll US Original 1990
US Original · 1990 · UR001
Underground Resistance w/ Yolanda - Your Time Is Up

Die allererste UR-Platte, als Originalpressung aus Detroit.

96,90 € Zur Platte →

5. Age Of Love: The Age Of Love (1990)

Bruno Sanchioni und Giuseppe Chierchia veröffentlichten den Track 1990 auf dem belgischen Label DiKi Records. Richtig berühmt wurde er zwei Jahre später durch den „Watch Out For Stella Mix“ von Jam & Spoon aus Frankfurt, der als einer der Grundsteine des Trance gilt. Die hypnotische Basslinie und die gehauchte Stimme funktionieren bis heute auf jeder großen Tanzfläche.

Für wen: alle, die den Übergang von Techno zu Trance hören wollen. Bei uns als 12-Inch-EP mit drei Remixen (2025).

Age Of Love The Age Of Love Vinyl 12 Zoll EP Cover
Age Of Love „The Age Of Love“: vom belgischen Club-Track zur Trance-Hymne.

6. Speedy J: Ginger (1993)

Mit der Reihe „Artificial Intelligence“ zeigte das britische Label Warp Anfang der 90er, dass Techno auch zum Zuhören taugt. Der Rotterdamer Jochem Paap alias Speedy J lieferte mit seinem Debüt „Ginger“ einen Teil der Reihe: minimale 4/4-Beats mit viel Raum, warme Flächen und kurze Zwischenspiele. Eine Platte für den Abend auf dem Sofa genauso wie für den frühen Morgen im Club.

Für wen: alle, die Techno lieber mit Kopfhörern hören. Aus derselben Reihe haben wir auch B12 „Electro-Soma“ als UK-Original.

Speedy J Ginger Vinyl 2LP UK Original 1993 Warp
UK Original · 1993 · Warp
Speedy J - Ginger

Techno zum Zuhören, als 2LP aus dem Erscheinungsjahr.

48,90 € Zur Platte →

7. Basic Channel: Lyot Rmx (1993)

Moritz von Oswald und Mark Ernestus aus dem Umfeld des Berliner Plattenladens Hard Wax brachten Detroit und Jamaika zusammen: Echo, Hall und tiefe Bässe aus dem Dub, verbunden mit endlos kreisenden Techno-Loops. So entstand der Dub Techno. Typisch für das Label sind die schlichten Etiketten, auf denen oft nur „Basic Channel“ steht, ohne Titel und Laufzeiten.

Für wen: alle, die tiefen, hypnotischen Sound mögen. Bei uns als 12-Inch aus Berlin.

8. Daft Punk: Homework (1997)

Thomas Bangalter und Guy-Manuel de Homem-Christo nahmen ihr Debüt in Paris komplett selbst auf und mischten Chicago House, Funk und Disco zu etwas Neuem, das bald French House hieß. „Da Funk“ und „Around The World“ wurden weltweite Hits, „Revolution 909“ ist eine Verbeugung vor der Roland-Drummachine, ohne die es diese Musik nicht gäbe.

Für wen: alle, die House zum ersten Mal auf Platte entdecken wollen. Bei uns als 2LP-Reissue und als „Homework (Remixes)“.

Daft Punk Homework Vinyl 2LP Cover
Daft Punk „Homework“: Chicago House, neu gedacht in Paris.

9. Moodymann: Amerika (1997)

Kenny Dixon Jr. alias Moodymann steht für die soulige, langsame Seite von Detroit. Auf seinem eigenen Label KDJ veröffentlichte er Platten, die nach Jazz, Funk und Gospel klingen, oft ohne Titel auf den Etiketten. „Amerika“ (KDJ 15) baut seinen schleppenden Groove aus Samples von Idris Muhammad und Gil Scott-Heron. Deep House, der eher nach verrauchter Bar klingt als nach Großraumdisco.

Für wen: alle, die es warm, langsam und tief mögen.

Moodymann Amerika Vinyl 12 Zoll US Original 1997 KDJ
US Original · 1997 · KDJ 15
Moodymann - Amerika

Detroit Deep House vom eigenen Label des Künstlers.

60,90 € Zur Platte →

10. Jeff Mills: The Bells (1997)

In Bestenlisten von DJs und Fans landet „The Bells“ regelmäßig ganz oben, wenn es um die besten Techno-Tracks aller Zeiten geht. Jeff Mills, Mitgründer von Underground Resistance, veröffentlichte das Stück auf seinem Label Purpose Maker: ein hämmernder Beat, darüber eine Glockenmelodie, die sich ins Gedächtnis brennt. Mills ist berühmt für seine rasend schnellen Sets mit drei Plattenspielern und einer Roland TR-909.

Für wen: alle, die den einen Track suchen, der für Techno steht. Von Jeff Mills haben wir gerade „Three Ages“, seinen Soundtrack zum Stummfilm von Buster Keaton.

Auch stark, nur nicht in der Top 10: Rhythim Is Rhythim „Strings Of Life“, Model 500 „No UFO's“, Joey Beltram „Energy Flash“, Plastikman „Spastik“, DJ Rolando „Knights Of The Jaguar“, Chez Damier „I Never Knew Love“, Fast Eddie „Jack To The Sound“, die Compilation „Chicago Trax Volume 1“, Juan Atkins „Futurepast EP“, Laurent Garnier „Unreasonable Behaviour“ mit „The Man With The Red Face“ und aus Köln Wassermann „W.I.R.“ von Wolfgang Voigt.

Alle 10 Techno- und House-Klassiker im Überblick

Platte Jahr Herkunft Stil
Phuture: Acid Tracks 1987 Chicago Acid House
Inner City: Good Life 1988 Detroit House
A Guy Called Gerald: Voodoo Ray 1988 Manchester Acid House
Underground Resistance: Your Time Is Up 1990 Detroit Detroit Techno
Age Of Love: The Age Of Love 1990 Belgien / Italien Techno / Trance
Speedy J: Ginger 1993 Rotterdam Techno (Warp)
Basic Channel: Lyot Rmx 1993 Berlin Dub Techno
Daft Punk: Homework 1997 Paris French House
Moodymann: Amerika 1997 Detroit Deep House
Jeff Mills: The Bells 1997 Detroit Techno

Original oder Reissue: Welche Techno- und House-Pressung lohnt sich?

Techno und House sind DJ-Musik, und das merkt man den Platten an. Die meisten Klassiker erschienen nicht als Album, sondern als 12-Inch-Maxi in kleinen Auflagen. Unsere Faustregeln:

  • Auf die Geschwindigkeit achten: Viele Maxis laufen mit 45 statt 33 Umdrehungen. Mehr Platz pro Track bedeutet mehr Lautstärke und mehr Bass, ideal für den Club.
  • DJ-Spuren prüfen: Gebrauchte Maxis wurden oft aufgelegt. Typisch sind leichte Abnutzung am Anfang der Tracks, wo die Nadel immer wieder aufgesetzt wurde, und Aufkleber auf dem Etikett. Wir bewerten Platte und Cover deshalb getrennt nach dem Goldmine-Standard.
  • Originale haben Charakter: Frühe Chicago-Pressungen klingen oft rauer, weil Labels wie Trax auf günstigem Vinyl pressten. Detroit-Labels wie Underground Resistance gravierten dagegen gern Botschaften in die Auslaufrille, ein schönes Detail für Sammler.
  • Reissues sind kein Makel: Viele Klassiker wurden neu gemastert und sauber nachgepresst. Zum Hören und Auflegen sind sie oft die bessere Wahl als ein abgenutztes Original.

Wie du Original und Neuauflage auseinanderhältst, liest du in Erstpressung oder Reissue?. Was eine Maxi von einer LP unterscheidet, erklärt unser Ratgeber LP, 12" Maxi oder 7" Single?.

Häufige Fragen zu Techno und House auf Vinyl

Was ist der Unterschied zwischen House und Techno?

House stammt aus Chicago und hat seine Wurzeln in Disco und Soul: warm, oft mit Gesang, meist um 120 bis 125 BPM. Techno stammt aus Detroit und klingt kühler und maschineller, mit weniger Gesang, mehr Wiederholung und meist etwas schnelleren Beats. Die Grenzen sind fließend, viele Platten liegen genau dazwischen.

Was ist Acid House?

Acid House ist eine Spielart des House, die auf dem quietschenden, blubbernden Klang der Roland TB-303 basiert. Den Anfang machte Phuture mit „Acid Tracks“ 1987 in Chicago, ab 1988 wurde Acid House in Großbritannien zur großen Jugendbewegung.

Welcher Techno-Track ist der bekannteste Klassiker?

Jeff Mills „The Bells“ (1997) landet in Bestenlisten regelmäßig ganz oben. Ebenso oft genannt werden Rhythim Is Rhythim „Strings Of Life“ (1987), Joey Beltram „Energy Flash“ (1990) und Age Of Love „The Age Of Love“ (1990).

Welche Stadt gilt als Hauptstadt des Techno?

Erfunden wurde Techno in Detroit. Nach dem Mauerfall wurde Berlin mit Clubs wie dem Tresor und Labels wie Basic Channel zur zweiten Heimat und gilt heute für viele als Techno-Hauptstadt Europas.

Warum erscheinen House und Techno meist auf 12-Inch-Maxi?

Weil die Musik für DJs gemacht wurde. Auf einer 12-Inch passen nur wenige Tracks, dafür sind die Rillen breiter. Das ergibt mehr Lautstärke und Bass, und die Platte lässt sich im Club leichter mixen.

Mit welcher Platte sollte ich anfangen?

Für House ist Daft Punk „Homework“ der einfachste Einstieg, für Techno Speedy J „Ginger“. Wer direkt ein Stück Geschichte im Regal haben möchte, greift zu Phuture „Acid Tracks“ oder Underground Resistance „Your Time Is Up“.

Techno und House bei Devinylhunter

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